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Der Basler Pharmakonzern Roche hatte vor einiger Zeit, nach monatelangen Verhandlungen um die Komplettübernahme seiner amerikanischen Biotech-Tochter Genentech, das Ziel erreicht. Für die Übernahme zahlt Roche insgesamt rund 46,8 Milliarden US Dollar. Die Vereinigung der bereits 18 Jahre existierenden Partner wurde von Seiten der Analysten begrüsst, da seitens Roche keine grossen Unsicherheiten vorhanden waren. Allerdings müsse Roche nun zeigen, dass sich die grosse Investition ausbezahlt. Auch seitens der Schweizer Börse wurde die Übernahme begrüsst und die Roche Wertpapiere legten um 3% an Wert zu.

 

Eine Übernahme in dieser Grössenordnung ist mit einem formellen Kauf noch längst nicht abgeschlossen. Die Kollaboration zwischen Fachkräften und Management setzt noch mehr voraus. So gehören zum Beispiel neue Prozesse oder die Anpassung der vorhandenen Strukturen zur Integration der rund 7000 Genentech Mitarbeiter dazu.

 

Genentech setzte bereits vor der Übernahme durch Roche auf ein Outsourcing einiger Informationsdienste bei Google. In den letzten Tagen kam nun die unfassbare Meldung - Roche migriert alle Anwender auf Google Apps. Ein Unternehmen das mit Grundlagenforschung und Forschung im allgemeinen Geld verdient, besitzt unzählige streng vertrauliche Dokumente. Seit der Entstehung der Elektronischen Datenverarbeitung setzt Roche diese als Arbeitsmittel und heute als Grundinfrastruktur ein. Die Rechenzentren des Konzerns sind längst nicht mehr nur eine elektronische Unterstützung, sondern sie bilden seit einiger Zeit die Grundlage für die tägliche Arbeit. Dementsprechend wurde die Infrastruktur mit enormen Investitionen jahrelang aufgebaut und zu dem entwickelt was sie heute geworden ist.

 

Die Labors der Pharma Forschung, können nicht in ein gewöhnliches Arbeitsplatzkonzept gepresst werden, weil die Umgebung längst nicht so homogen wie an einem einfachen Büroarbeitsplatz ist. Diese Faktoren haben bei der Entwicklung der Unternehmensinfrastruktur eine wesentliche Rolle gespielt. Es ist kein Geheimnis, dass ein renomierter Konzern wie Roche auch viel in die eigene Firma und somit auch in die Infrastruktur investiert. Die IT des Konzerns ist sehr komplex, aber sehr solide und keinesfalls veraltet. Mit der Migration der E-Mail und Kalender Dienste, um nur einen Teil zu nennen, wird nun ein elementarer Bestandteil der Firmeninfrastruktur an Google abgegeben.

 

Erinnert man sich an die ersten AGBs von GMail, in der darauf hingewiesen wurde, dass sämtliche im Account enthaltenen Informationen von Google weiterverwendet und veröffentlicht werden dürfen, dann stellt sich die Frage wie ein Konzern dieser Grössenordnung und mit solch sensiblen Daten diese Entscheidung treffen konnte. Todd Pierce, senior VP und CIO der Genentech äusserte sich beim Schritt Genentech auf Google Apps zu migrieren, in einem Interview bei InformationWeek so: Er denkt, dass einige CIOs sich auf "Gerüchte oder falsche Informationen" berufen, wenn sie sich wegen Sicherheitsaspekten oder Geheimhaltung gegen Google Software entscheiden. Das sei ein Fehler meint er, "weil das, meiner Ansicht nach, eine sehr wichtige Veränderung im Potenzial der Technologie und der Arbeitsinstrumente ist. Sie erfüllt ein grosses unbefriedigtes Bedürfnis." Dass Roche den Wechsel nun mitmacht, ist aus verschiedenen Gründen nicht nachvollziehbar. Versändlicher wird es aber wenn man feststellt, dass der Verwaltungsrat von Google und der von Genentech ein gemeinsames Mitglied haben.

 

Bisher konnte man sich in vielen Fällen, in denen es um Privatsphäre und Datensammelgiganten ging, beruhigt sagen, dass keiner mit solch gewaltigen Datenmengen etwas anfangen kann. Dieser Punkt hat sich bereits vor einiger Zeit geändert. So werden heute in Social Media Plattformen bspw. Gesichtserkennungsprogramme verwendet, um die gewaltigen Mengen an Bildern auszuwertden und zuzuordnen. Wenn es jemandem nicht schwer fällt mit Daten umzugehen, dann ist es mit Sicherheit Google.

 

In vielen Firmenorganisationen ist es längst nicht mehr so, dass externe Fachkräfte oder Dienstleistungen nach Fähigkeiten eingekauft werden. Oft wurden in der Vergangenheit von einem internen Fachexperten Entscheidungen getroffen, welche externen Ressourcen eingesetzt werden sollen. Heute findet diese Entscheidung zumeist im Einkauf, in der Finanzabteilung statt. Dabei spielen die Entscheidungen der fachlichen Verantwortlichen nur eine kleine oder oft gar keine Rolle mehr. Verständlich also, dass ein Finanzverantwortlicher sich kurzfristig mit Einsparungen Rühmt und den schnellen Profit für sich selbst damit erlangt. Sobald die ersten Problemfälle auftreten, hat genau dieser Finanzverwalter sein Curriculum mit einem neuen Abschnitt in einer neuen Unternehmung begonnen.

 

 

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